Wie sinnvoll sind Gastprofessuren?

In einem Brief an die Initiative Berliner Privatdozenten vom Mai 2013 behauptet der Berliner Staatsekretär für Wissenschaft, Herr Dr. Knut Nevermann uns gegenüber, dass es nicht möglich wäre dem Freiberuflertum unter den PD durch vermehrtes Einrichten von Gastprofessuren zu entsprechen, da alle Gastprofessuren, die über ein Jahr hinaus eingerichtet würden, ausgeschrieben werden müßten. Nach unseren Erfahrungen nicht zuletzt in Berlin herrscht im Bereich der Gastprofessuren Wildwuchs. Die Universitäten oder Fakultäten schreiben Gastprofessuren für kürzer oder länger aus oder besetzen sie einfach so, wie es ihnen gerade paßt.  Um etwa Frauenprofessuren nicht besetzen zu müssen, schrieb die HU die entsprechenden Stellen zehn (!) Jahre lediglich als Gastprofessuren aus. Gastprofessuren zur Stärkung der Frauenforschung werden in der Regel von den jeweiligen Fakultäten angeeignet und mit Damen der eigenen Wahl besetzt, meistens mit Personen, die mit der Genderforschung noch keinerlei Berührung hatten.

Wenn die Politik durch sogenannte „Sparpolitik“ eine ganze Kohorte von freischaffenden WissenschaftlerInnen schafft, muß sie diesem Phänomen durch das Zulassen entsprechender Anstellungsformen entsprechen, alles andere wäre eine extreme Verschwendung von Ressourcen. Man kann sich in den deutschen Wissenschafts-Verwaltungen diesbezüglich an Österreich, der Schweiz, den USA, oder Großbritannien ein Beispiel nehmen. Die Argumentation der Berliner Verwaltung ist also unzutreffend. Die entsprechende Politik ignoriert in unverantwortlicher Art und Weise die durch die eigene Austeritätspolitik geschaffenen Tatsachen.

Aus unserem Brief vom 10. Juni 2013  an Herrn Staatsekretär Dr. Nevermann, Berlin-Mitte

„…Betreffend der Frage, ob Gastprofessuren nur mit außenstehenden PD oder sonstigen Personen abgeschlossen werden dürfen, die an anderen Universitäten  promoviert oder sich habilitiert haben: Die Antwort lautet eindeutig, dass es keine derartige Beschränkung gibt. Auch die Praxis beweist das Gegenteil. Es gibt etliche Gastprofessoren an der Freien Universität wie auch an anderen Berliner Universitäten, die an der jeweiligen Hochschule promoviert oder sich habilitiert haben. Korporatives nebenberufliches Mitglied der Hochschule zu sein, wie etwa als PD, ist bislang nicht als Hinderungsgrund für die Erteilung einer Gastprofessur an Dozenten erachtet worden, sondern begünstigte im Gegenteil die Beauftragung von Dozenten, die der Universität bekannt sind, mit Lehr- und Forschungsaufgaben.

Im Einzelnen:

In § 113 BerlHG zu Gastprofessoren (und Gastdozenten) steht, dass mit „Personen, die die Einstellungsvoraussetzungen für Professoren“ (siehe § 100) erfüllen, für einen begrenzten Zeitraum „freie Dienstverhältnisse“ als Gastprofessoren abgeschlossen werden können.

Freie Dienstverhältnisse heißt Arbeitsverhältnisse, die nicht von Tarifverträgen oder dem Wissenschaftszeitvertragsgesetz erfasst sind.

Fazit: Für die Erteilung einer Gastprofessur ist die Voraussetzung also keineswegs, dass man der Hochschule nicht als PD angehören darf, sondern nur dass man eine Person ist, die die Einstellungsvoraussetzungen für eine Professur erfüllt. Diese Voraussetzungen regelt § 100.

In § 101 Abs. 5 BerlHG steht, dass es möglichst keine Hausberufungen geben soll. Aber dies bezieht sich auf aktuell an der Hochschule „beschäftigte“ Personen, das betrifft insbesondere Juniorprofessoren und wissenschaftliche Mitarbeiter oder als Professoren Beschäftigte. Privatdozent/inn/en  und Außerplanmäßige Professoren sind als solche nicht „beschäftigt“, sondern nur nebenberufliche Mitglieder der Hochschule.  Dazu siehe §§ 43-48 BerlHG.

Weitere (informelle) Einschränkungen, etwa durch den Präsidenten, darf es nicht geben, weil dies der Gesetzmäßigkeit der Verwaltung und Staatsinstitutionen widersprechen würde…“

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Forderungen der Ini Blner PD, apl. Prof. etc.

Minimalforderungen von PrivatdozentInnen, Außerplanmäßigen ProfessorInnen und HonorarprofessorInnen an Fachbereiche, Hochschulen und Landesgesetzgebung

Gefordert wird die volle Anerkennung und Behandlung als nebenberufliche HochschullehrerInnen, d.h. insbesondere:

         In den Hochschulgesetzen sollte klargestellt werden, dass PrivatdozentInnen, Außerplanmäßische ProfessorInnen und HonorarprofessorInnen (nebenberufliche) HochschullehrerInnen sind.

         Lehrveranstaltungen im Rahmen der Pflicht- und Titellehre sollten wenigstens wie bezahlte Lehraufträge honoriert werden.

         Die Mitwirkung bei Prüfungen und die Betreuung von Abschlussarbeiten sollte bezahlt werden.

         Im Zusammenhang mit Lehre und Prüfungen sollte der eigenständige Zugang (Schlüssel) zu einem Besprechungs- und Vorbereitungsraum (wie auch die Nutzung von Kopierern, Com­putern usw.) ermöglicht werden.

         Einschränkungen der Prüfungsbefugnisse bei Promotionen durch Erlass restriktiver neuer Promotionsordnungen, die u.a. die Marginalisierung der Prüfungsrechte von PrivatdozentInnen, Apl-ProfessorInnen und HonorarprofessorInnen zum Gegenstand und Ziel haben, sollten korrigiert werden, denn diese Prüfungs- und Mitwirkungsrechte bei der Rekrutierung des wissenschaftlichen Nachwuchses sind individuell durch eine lange und anspruchsvolle akademische Hochqualifizierung, die institutionell mehrfach „abgeprüft“ wurde, erworben worden und können im Hinblick auf die Mitgliedschaft in den Universitäten und das Recht der Betroffenen auf freie Lehre und Forschung (Art. 5 Abs. 3 GG) auch nebenberuflich tätigen HochschullehrerInnen nicht ohne Weiteres entzogen werden. Wenigstens sollte die Einschränkung durch Nutzung der pragmatischen Inklusionsmöglichkeiten der Ordnungen und Hochschulgesetze ausgeglichen werden.

         Unter den PrivatdozentInnen sind viele erfahrene WissenschaftlerInnen ohne adäquate Beschäftigung, weil noch immer die Politik rigider Befristungsobergrenzen, der Unterversorgung mit Professoren­stellen und der doktrinären Aufrechterhaltung des fast völligen Ausschlusses von Dauerbe­schäftigung und Karrieremöglichkeiten auf an­spruchs­vollen Mittelbaustellen, übrigens eine Besonderheit Deutschlands im internationalen Vergleich, fortgeführt wird. Demgegenüber sollen für PrivatdozentInnen wenigstens vermehrt öffentlich ausgeschriebene, fair besetzte und regulär bezahlte Gastprofessuren über mehrere Jahre geschaffen werden.

         Ferner sollten runde Tische zur Re-Reformierung der Universitäten unter Einbeziehung der Privatdozentinnen und anderen nebenberuflichen HochschullehrerInnen eingerichtet werden, auch um die stattfindende Abwicklung und „Ressourcenverschwendung“ beim Lehr- und Forschungspersonal zu beenden und hochqualifizierte, aber ungerechtfertigt aussortierte HochschullehrerInnen wieder zu inkludieren, damit auch sie beitragen können, die allgemeine Misere der deutschen Universitäten zu beheben.

Berlin, im Herbst 2013 verfaßt für die Initiative Berliner PrivatdozentInnen Sabine Berghahn, Manfred Kerner,  Elisabeth Meyer-Renschhausen, Robert Schmitt Scheubel, Ulrike Stamm et. al.

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zu den Koalitionsverhandlungen Herbst 2013

Anläßlich der Koalitionsverhandlungen erinnern wir an unsere  Forderungen:

1.     Eine Bezahlung der Titellehre ist angesichts der schlechten Betreungsverhältnisse an den deutschen Universitäten und überfüllten Lehrveranstaltungen undbedingt geboten.

2.      Die Einführung von Zeitprofessuren für Privatdozenten, vergleichbar dem Programm für Professorinnen ist angesichts des Ziels der Verbesserung der Lehre der einzig mögliche Weg.

3.      Eine Aufstockung der Hochschulfinanzierung, die in Betreuung und Lehre fließen muss. Eine solche Aufstockung kann entweder über die Aufhebung des Kooperationsverbots erfolgen, oder – wie Jörg Dräger von der Bertelsmann Stiftung fordert – darüber, dass der Bund den Ländern für die Bildungsfinanzierung mehr Geld aus Mehrwertsteuer-Einnahmen abtritt, was das Grundgesetz ohne weiteres erlaubt, sofern den Ländern neue Aufgabe zuwachsen.

Diese Vergabe zusätzlicher Gelder für die Lehre sollte unbedingt an die Forderung geknüpft werden, die Titellehre bundesweit ab jetzt zu entgelten. Damit könnte der – in keinem anderen europäischen Land vorhandene – Skandal der Ausbeutung von hochqualifizierten Lehrkräften – wenn sie den mit Mühe erarbeiteten Titel behalten wollen – beseitigt werden. Zumal der auch international auf Unverständnis stößt und Deutschland als Wissenschaftsstandort ein schlechtes Zeugnis ausstellt.

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Hello world!

Honorar oder Unterrichtsgeldpauschale

In unserer Bildungsrepublik ist die Unterrichtsgeldpauschale, die Privatdozenten für Ihre Unterrichtsstunden an der Universität erhalten, seit 1973 nicht mehr erhöht worden. Somit erhält er pro Semester, wenn er zwei Stunden „liest“ und dies jede Woche macht, sagenhafte 75.- Euro. Man muß sich das zu Gemüte führen: 75.-Euro für 28 Stunden, das ist also weniger als die berüchtigten 1.-Euro-Jobs, nämlich 1,34 Euro und erheblich weniger als der Steuerfreibetrag für Unterrichtsleiter, die immerhin im Jahr 2100.- steuerfrei einheimsen können. Selbst die Lehrbeauftragten erhalten mit ca 29.- pro Stunde Stundenquälerei erheblich mehr als die Privatdozenten.

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