Exzellenzinitiative: Brief an die „Zeit“

An die Zeit betr. Nr. am 4.2.2016 Gespräch mit Herrn Imboden unter „Chancen“

Sehr geehrte Redaktion,

Ihr Gespräch „Deutschen Unis fehlt es an Mut“ zur Exzellenzinitiative ist unbefriedigend. Es fehlt in dem Gespräch mit Herrn Imboden die inhaltliche Auseinandersetzung über die Aufgaben der Unis, deren allgemeiner Lage, deren allgemeinen Finanzierung und die besondere Aufgabe von Exzellenzförderung in diesem Rahmen. Stattdessen wird ohne Begründung gebetsmühlenartig behauptet „Exzellenz“ sei gut und müsse fortgesetzt werden und dafür sei besonders wichtig eine „starke Führung“. Das Kassieren der Graduiertenförderung wird allenfalls im Sinne des Schweinezyklus‘ begründet: Markt momentan gesättigt. Für Herren wie Imboden ist scheint’s ausgemacht, dass die Universität im Sinne der „universitas“ überlebt sei, dass Unis sich zu spezialisieren haben, dass sie mit ihrem Forschungsprofil der Industrie zu dienen haben und dass Lehre schon so nebenbei mitläuft. Sehr fraglich scheint wie die Wissenschaftsminister darauf kamen, ausgerechnet einen 72jährigen Physiker aus der Schweiz mit der Aufgabe der Evaluation zu betreuen. Wie viele Sozial-, Kultur- und Geisteswissenschaftler oder Sozialpolitiker oder –arbeiter, Frauen, Bauern, Flüchtlinge in der „Imboden-Kommission“ vertreten waren, wird nicht verraten. – Artikel und Gutachten offenbaren ein mechanisches Weltbild, das die soziale und ökologische Not auf dieser Welt sowie sämtliche Konflikte, Kriege, Fliehenden, den Zerfall unserer Demokratien etc. usf. ausblendet. Mit gutem Journalismus hat Derartiges ebenso wenig zu tun wie mit gediegener Wissenschaft.

Dr. Elisabeth Meyer-Renschhausen, Berlin

P.S. Eine freundlich gemeinte persönliche  Antwort aus der Redaktion auf diesen Leserbrief  war leider unbefriedigend, da Redakteur Herr Hartung dort auf unsere inhaltlichen Fragen nicht einging.  Angesichts der inhaltlich nahezu übereinstimmenden Artikel in „Zeit“ und „FAZ“ (siehe vorherigen Beitrag in diesem Blog) fragt man sich doch verblüfft, wieweit die „Gleichschaltung“ in der deutschen Presse bereits gediehen ist…

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